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Wer zitiert wird, setzt die Agenda – und das Zitate-Ranking zeigt, wie das gelingt

Foto: RDNE Stock project / Pexels

Das Zitate-Ranking von Media Tenor für das erste Halbjahr ist keine Hitliste für Eitelkeiten. Es dokumentiert, welche Medien in der öffentlichen Debatte als Referenzpunkte gelten – welche Quellen also andere Redaktionen für zitierwürdig halten, wenn sie ein Thema einordnen, belegen oder zuspitzen wollen. Das ist eine eigene Form von Agenda-Setting, die für strategische Unternehmenskommunikation und Medienarbeit erhebliche praktische Konsequenzen hat.

Die Bild-Gruppe hält Platz eins – aus nachvollziehbaren Gründen

700 Zitate im ersten Halbjahr, exakt auf Vorjahresniveau: Die Bild-Gruppe verteidigt die Spitzenposition laut Media Tenor stabil. Das liegt nicht an Qualität im klassischen Redaktionssinne, sondern an Mechanik: Bild setzt Themen, die andere Medien aufgreifen müssen, weil sie eine Breitenwirkung entfalten, die sich nicht ignorieren lässt. Für Kommunikationsverantwortliche ist das eine wichtige Beobachtung. Wenn ein Unternehmen oder eine Führungskraft in einem Bild-Bericht vorkommt – positiv wie negativ –, multipliziert sich dieser Auftritt durch Weiterverarbeitung in anderen Medien. Das macht Bild-Berichterstattung zu einem Hebel, der in beide Richtungen wirkt und entsprechend vorbereitet werden sollte.

Der Spiegel gewinnt durch eine einzige Titelgeschichte deutlich hinzu

Der Spiegel legt zu und verteidigt Rang zwei gegen die New York Times – und das, obwohl die NYT von deutschen Medien regelmäßig als internationale Referenzquelle herangezogen wird. Besonders aufschlussreich ist der Mechanismus hinter dem Spiegel-Zuwachs: Die Titelgeschichte über Collien Fernandes hat offensichtlich eine Zitierwelle ausgelöst, die sich durch viele andere Redaktionen zog. Das illustriert sehr konkret, wie Thought Leadership durch Themensetzung funktioniert – und warum eine einzelne, gut platzierte Geschichte mehr Reichweite generieren kann als viele mittelmäßige Texte zusammen. Für Unternehmen und Führungskräfte, die ihre Positionierung durch Medienarbeit schärfen wollen, steckt darin eine strukturelle Lehre: Relevanz entsteht durch Themen, die andere aufgreifen wollen, nicht durch Präsenz um der Präsenz willen.

Wie die Rheinische Post mit konkreten Themen an Gewicht gewinnt

Die Rheinische Post überholt im Ranking sowohl die FAZ als auch die Süddeutsche Zeitung – ein Ergebnis, das auf den ersten Blick überrascht, weil diese Titel in der öffentlichen Wahrnehmung oft als schwerer wiegend gelten. Der Grund ist laut Media Tenor die Berichterstattung über die Rentenreform: ein politisch aufgeladenes, gesellschaftlich breites Thema, bei dem die Rheinische Post offenbar als verlässliche und zitierbare Quelle wahrgenommen wurde. Das zeigt, dass regionale Medien in der Lage sind, Themenhoheit zu beanspruchen, wenn sie ein relevantes Thema mit Konsequenz besetzen. Für die Stakeholder-Kommunikation von Unternehmen bedeutet das: Auch regionale Redaktionen können Multiplikatoren sein, die eine Botschaft weit über ihr eigentliches Verbreitungsgebiet hinaus tragen.

Verluste bei ARD, ZDF, RTL und der Süddeutschen – und was das für Corporate Communications bedeutet

Die Süddeutsche Zeitung fällt von Platz zehn auf Rang 16, ARD, ZDF, RTL und der Stern verlieren ebenfalls an Zitiergewicht. Dieser Befund ist für die Planung von Medienarbeit relevant, weil er zeigt, dass Reichweite und Zitierhäufigkeit keine konstanten Größen sind. Ein Medium, das vor zwei Jahren noch als besonders einflussreicher Kanal für eine Botschaft galt, muss das heute nicht mehr sein. Wer Medienarbeit rein nach historischen Gewichtungen plant, riskiert, seinen Aufwand falsch zu verteilen. Das Zitate-Ranking liefert hier eine nüchterne Korrektive: nicht welches Medium groß ist, sondern welches von anderen als Referenz behandelt wird, bestimmt, wie weit eine Geschichte reist.

Bei den sozialen Netzwerken dominiert X weiterhin als Quelle für Redaktionen. Dass Truth Social und Instagram im Kontext des Konflikts zwischen den USA und dem Iran an Bedeutung gewonnen haben, deutet darauf hin, dass Krisenlagen die Quellenpräferenzen von Redaktionen kurzfristig verschieben können – ein Aspekt, der bei der Krisenkommunikation stärker berücksichtigt werden sollte, als es in vielen Kommunikationsstrategien bislang geschieht.

Das Zitate-Ranking lässt sich als Glaubwürdigkeitskarte lesen: Medien, die häufig zitiert werden, haben in der Wahrnehmung anderer Redaktionen eine Funktion als verlässliche Quelle übernommen. Wer für Executive Positioning oder Thought Leadership auf Medienarbeit setzt, sollte genau diese Mechanismen verstehen – denn das Ziel ist nicht, irgendwo, sondern in den Medien zu erscheinen, die wiederum von anderen aufgegriffen werden. Das ist ein Unterschied mit erheblichem strategischem Gewicht.

Quelle: turi2.de, basierend auf dem Zitate-Ranking von Media Tenor für das erste Halbjahr.

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Bild von Angela Recino
Angela Recino

Journalistin und PR-Strategin
Geschäftsführerin Bewegte Kommunikation