Ein Sportvorstand unter Druck – und was das mit Governance zu tun hat
Markus Krösche, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, steht derzeit unter einem Druck, der sich aus mehreren Richtungen gleichzeitig aufbaut. Die sportliche Saison endete enttäuschend, nach acht Jahren verpasste die Eintracht erstmals wieder die Teilnahme am europäischen Wettbewerb. Das war bereits eine schwere Hypothek. Was seitdem hinzugekommen ist, hat eine andere Qualität – und ist deshalb auch aus kommunikativer und governance-bezogener Perspektive interessant.
Der Immobilienkauf und die Frage nach Interessenkonflikten
Laut einem Bericht der FAZ hat Krösche ein Grundstück an der kroatischen Küste von der Ehefrau des Spielerberaters Andy Bara erworben – jenes Agenten, der der Eintracht zuvor drei Spieler vermittelt hatte. Der Aufsichtsrat prüfte den Vorgang und erklärte sich mit Krösches Erklärungen zufrieden: Nach aktuellem Kenntnisstand habe er juristisch korrekt gehandelt, es gebe keine Anhaltspunkte für eine direkte oder indirekte Bevorteilung.
Und dennoch: Die offizielle Stellungnahme des Aufsichtsrats enthält einen bemerkenswerten Nachsatz. Der Gremiumsvorsitzende hält fest, dass eine frühzeitige Information des damaligen Hauptausschusses über den Vorgang im Jahr 2022 „im Sinne größtmöglicher Transparenz sinnvoll und angemessen gewesen wäre“. Das ist keine Entlastung ohne Rest. Krösche selbst begründete das Schweigen mit Naivität und einem Fehler in der Einschätzung der Situation.
Genau hier liegt der Kern des Problems – und der geht weit über Fußball hinaus. Die entscheidende Frage, die der FAZ-Bericht stellt, lautet: Reicht es als Maßstab für eine Führungsposition, dass einem Vorteilsnahme nicht nachgewiesen werden kann? Oder gehört zum Anforderungsprofil eines Sportvorstands auch die Sensibilität dafür, wann eine Verflechtung zumindest den Anschein eines Interessenkonflikts erzeugt – und entsprechend Transparenz geboten ist?
Kommunikation als Führungsaufgabe
Was den Fall zusätzlich kompliziert, ist das Kommunikationsverhalten Krösches in mehreren Situationen. Als AC Mailand intensiv um ihn warb und ein Vertrag über 40 Millionen Euro für vier Jahre offenbar unterschriftsreif vorlag, ließ er wochenlang Unklarheit darüber bestehen, ob er die Eintracht verlassen würde. Erst auf ausdrückliche Aufforderung seiner Vorstandskollegen bezog er Stellung. Auch auf neu aufgeflammte Gerüchte über einen Wechsel zu RB Leipzig hat er nicht reagiert.
Man kann argumentieren, dass es grundsätzlich eine legitime Haltung ist, Spekulationen nicht zu kommentieren. Das Problem ist der Zeitpunkt und der Kontext: Wenn das Vertrauen in eine Führungsperson ohnehin angekratzt ist, verstärkt kommunikative Zurückhaltung die Unsicherheit, statt sie aufzulösen. Intern gereizte Stimmung, extern öffentliche Solidaritätsbekundungen – dieses Auseinanderdriften ist kein stabiler Zustand.
Warum die Eintracht trotzdem stillhält
Dass der Verein Krösche mitten im Transfersommer nicht freistellt, hat pragmatische Gründe. Laufende Transfers könnten scheitern, gleichwertiger Ersatz ist kurzfristig nicht zu bekommen, juristische Implikationen einer Entlassung kommen hinzu. Die Eintracht befindet sich, wie die FAZ treffend beschreibt, in der unbehaglichen Lage, die Zukunftsplanung des Vereins jemandem anzuvertrauen, dem sie gleichzeitig genau auf die Finger schaut.
Das ist ein strukturelles Problem. Wenn eine Organisation eine Führungsperson de facto beaufsichtigen muss, weil das Vertrauen beschädigt ist, der operative Handlungsspielraum aber erhalten bleiben muss, dann arbeitet sie mit einem dauerhaften Widerspruch. Dieser Widerspruch lässt sich nicht kommunikativ überbrücken, sondern nur durch eine belastbare Klärung der Grundlagen auflösen.
Was bleibt
Krösche hat bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung Ende September Zeit. Der Ausgang ist offen. Was dieser Fall unabhängig davon illustriert: Governance-Sensibilität und das Gespür für potenzielle Interessenkonflikte sind keine weichen Zusatzqualifikationen in Führungspositionen. Sie gehören zum Kernhandwerk. Und wenn sie fehlen oder als nicht relevant eingestuft werden, entstehen genau die Situationen, die Vertrauen untergraben – auch dann, wenn am Ende kein Regelverstoß nachweisbar ist.
Quelle: FAZ, „Eintracht-Manager Krösche: Die Sache ist nicht erledigt“ (zum Artikel)