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Warum das Paypal-Übernahmeangebot von Stripe und Advent mehr verrät als es verschweigt

Der Zahlungsdienstleister Paypal steht offenbar vor einer Weichenstellung, die weit über einen einzelnen Deal hinausgeht. Wie Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person berichtet, hält der Paypal-Verwaltungsrat das Übernahmeangebot von Stripe und dem Finanzinvestor Advent International für zu niedrig: 60,50 Dollar je Aktie unterschätze den tatsächlichen Wert des Unternehmens, lautet die interne Einschätzung. Eine offizielle Stellungnahme von Paypal steht zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.

Was steckt hinter dem Angebot von Stripe und Advent?

Stripe und Advent hatten die Offerte Anfang des Monats gemeinsam eingereicht und wollen jeweils die Hälfte an Paypal übernehmen, finanziert unter anderem durch JPMorgan und Morgan Stanley. Käme die Transaktion zustande, entstünde einer der größten Anbieter für Online-Zahlungen weltweit, mit einem kombinierten jährlichen Transaktionsvolumen von rund 3,7 Billionen Dollar laut den vorliegenden Angaben. Das ist eine Größenordnung, bei der regulatorische Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks genau hinschauen werden, und genau das scheint auch der Verwaltungsrat im Blick zu haben: Neben dem Preis werden mögliche regulatorische und finanzielle Hürden als Gegenargument genannt.

Aus strategischer Sicht ist das Angebot dennoch kein Zufall, sondern ein Symptom des strukturellen Drucks, unter dem Paypal seit Jahren steht. Das Unternehmen kämpft mit zunehmender Konkurrenz durch Apple Pay und Google Pay, also durch Plattformen, die Zahlungsfunktionen nahtlos in bestehende Ökosysteme einbetten, ohne dass Nutzer dafür einen separaten Dienst benötigen. Für Paypal bedeutet das: Das einst dominierende Geschäftsmodell steht unter Erosionsdruck.

Was sagt dieser Vorgang über Kommunikation und Führung in M&A-Situationen?

Interessant aus Kommunikationsperspektive ist, wie diese Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt. Nicht über eine offizielle Stellungnahme, nicht über ein strukturiertes Statement des Vorstands, sondern über anonyme Insider-Quellen gegenüber einer Nachrichtenagentur. Das ist in M&A-Prozessen nicht ungewöhnlich, aber es zeigt, wie dünn die Trennlinie zwischen strategischem Schweigen und Kontrollverlust über die eigene Narrative sein kann. Wenn ein Unternehmen auf ein öffentlich diskutiertes Übernahmeangebot nicht kommuniziert, füllen andere den Raum.

Für Führungskräfte und Kommunikationsverantwortliche, die solche Situationen begleiten, ergibt sich daraus eine praktische Konsequenz: Auch ein „Kein Kommentar“ ist eine Botschaft, die gesteuert werden will. Wer schweigt, gibt die Deutungshoheit über den eigenen Vorgang ab. Das muss nicht falsch sein, wenn es eine bewusste Entscheidung ist. Wenn es jedoch schlicht Reaktionslosigkeit ist, wird aus Stille schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Ob das Angebot letztlich scheitert oder nachgebessert wird, bleibt offen. Fest steht, dass die Konstellation aus Marktdruck, Investorenerwartungen und regulatorischen Unsicherheiten Paypal in eine Position bringt, in der die Kommunikationsstrategie mindestens ebenso viel zählt wie die Finanzstrategie. Welchen Wert das Unternehmen tatsächlich hat, wird am Ende nicht nur der Markt, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung mitentscheiden.

Quelle: Handelsblatt (Reuters/Insider-Informationen, Stand des verlinkten Artikels)

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Bild von Angela Recino
Angela Recino

Journalistin und PR-Strategin
Geschäftsführerin Bewegte Kommunikation