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Trumps Kalkül mit den Medien: Feindschaft als Geschäftsmodell auf beiden Seiten

Foto: Markus Winkler / Pexels

Beim Gala-Dinner der White House Correspondents‘ Association hielt Donald Trump eine Rede, die im Kern eine einzige These transportierte: Die US-Medien brauchen ihn dringender, als sie zugeben wollen. „Wenn ich weg bin, seid ihr alle pleite“, sagte er vor den versammelten Journalistinnen und Journalisten in Washington. Und dann, fast beiläufig: Ihm lägen die Medien sehr am Herzen.

Der Satz ist provokant, aber er verdient eine ernsthafte Auseinandersetzung – weil er einen Mechanismus benennt, den Medienhäuser ungern öffentlich diskutieren.

Eine wechselseitige Abhängigkeit, die niemand zugeben will

Trump bezeichnet Journalistinnen und Journalisten seit Jahren als „Feinde des Volkes“, hat wiederholt Klagen gegen unliebsame Berichterstattung angestrengt und setzt „Fake News“ als politischen Begriff so routiniert ein, dass er längst eine eigene kommunikative Funktion erfüllt: Er delegitimiert Kritik, bevor sie wirkt. Gleichzeitig war Trump jahrelang das verlässlichste Aufmerksamkeitskapital der amerikanischen Medienlandschaft. Klickzahlen, Einschaltquoten, Reichweite – all das stieg mit jeder seiner Eskapaden. Diese Abhängigkeit existiert, und Trump spricht sie aus. Das ist ungewöhnlich offen, aber strategisch nicht unklug, denn es bringt Medienhäuser in eine rhetorische Defensive: Wer widerspricht, bestätigt zumindest implizit, dass er sich verteidigen muss.

Aus Sicht der strategischen Unternehmenskommunikation ist das ein bekanntes Muster. Wer die Deutungshoheit über die Beziehung zwischen sich selbst und seinen Kritikern beansprucht, sitzt am längeren Hebel – zumindest temporär. Trump tut genau das: Er framt die Feindschaft als Dienstleistung, die er den Medien erweist. Ob das stimmt, ist eine andere Frage. Dass es wirkt, steht außer Zweifel.

Reputationsmanagement durch permanente Provokation

Was Trump in Washington vorführte, ist in seiner Konsequenz eine Form von Reputationsmanagement, die den konventionellen Regeln widerspricht und dennoch funktioniert. Normale Executive-Positionierung zielt auf Glaubwürdigkeit durch Konsistenz, auf Vertrauen durch Verlässlichkeit. Trump setzt auf das Gegenteil: auf Unberechenbarkeit als Aufmerksamkeitsgarantie. Seine Rede schweifte von einem geplanten Ballsaal am Weißen Haus zu Atomwaffen, von Käfigkämpfen zu Modebewertungen von Journalistinnen im Saal, und dazwischen zog er eine Kappe mit der Aufschrift „Trump 2028″ auf – eine Anspielung auf eine verfassungsrechtlich nicht mögliche dritte Amtszeit, die er routinemäßig bespielt.

Was für jeden anderen Redner auf einem solchen Abend als Zumutung gälte, erzeugt bei Trump genau das, worauf er abzielt: Berichterstattung. Jede einzelne dieser Aussagen ist eine eigenständige Schlagzeile. Das ist kein Zufall und auch kein Kontrollverlust, sondern Methode. Die Frage, die sich Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen stellen sollten, lautet: Was sagt es über die Medienlandschaft aus, wenn ein politischer Akteur seine öffentliche Strategie offen auf dieser Annahme aufbauen kann – und Recht behält?

Was der Abend für Kommunikations- und Medienverantwortliche bedeutet

Die eigentliche Herausforderung liegt tiefer als Trump selbst. Medienhäuser, die von Empörungszyklen abhängig sind, verlieren strukturell an Unabhängigkeit gegenüber denjenigen, die diese Zyklen erzeugen. Das betrifft nicht nur politische Berichterstattung, sondern ist ein Problem, das jeden betrifft, der auf öffentliche Sichtbarkeit angewiesen ist – Unternehmen, Verbände, Führungskräfte. Wer seine Medienarbeit auf Aufmerksamkeit durch Provokation ausrichtet, schafft kurzfristig Reichweite und langfristig ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer dagegen auf substanzielle Thought Leadership setzt, braucht einen längeren Atem, aber baut Vertrauen auf, das nicht von der nächsten Schlagzeile abhängt.

Für Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen ist der Abend ein nützlicher Spiegel: Er zeigt, wie leicht Medienlogik instrumentalisiert werden kann, wenn Redaktionen und Plattformen Reichweite über Relevanz stellen. Wer als Führungskraft oder Organisation in der Medienarbeit Sichtbarkeit aufbauen will, sollte genau deshalb den umgekehrten Weg gehen – nicht lauter werden, sondern deutlicher positionieren, nicht provozieren, sondern eine nachvollziehbare Haltung entwickeln und diese konsistent kommunizieren. Der Kontrast zu Trumps Methode ist dabei lehrreich: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch permanente Grenzüberschreitung, sondern dadurch, dass man als Akteur erkennbar und einschätzbar bleibt.

Der Sicherheitsbeamte und eine stille Geste der Vereinigung

Ein Detail des Abends verdient eine eigene Erwähnung, weil es den Kontrast zur übrigen Inszenierung schärft. Beim Dinner wurde der Sicherheitsbeamte geehrt, der beim Schussvorfall im April angeschossen worden war und durch sein entschlossenes Handeln dazu beitrug, den Angreifer aufzuhalten. Diese Geste – ein Abend der Hauptstadtpresse, der nicht nur Journalistinnen und Journalisten, sondern auch einen Beamten der Sicherheitsbehörden in den Mittelpunkt stellt – hat eine kommunikative Qualität, die Trumps Selbstinszenierung grundlegend von sich unterscheidet: Sie erzählt von Handeln unter echtem Druck, nicht von Selbstvermarktung.

Die Quelle dieses Beitrags ist der Handelsblatt-Bericht zum White House Correspondents‘ Dinner.

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Bild von Angela Recino
Angela Recino

Journalistin und PR-Strategin
Geschäftsführerin Bewegte Kommunikation