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Print verschwindet nicht

Während viele Print für erledigt halten, baut Oliver Wurm das Gegenteil: Magazine als langlebige Denkmäler, die am Kiosk ihren festen Platz behaupten. Sein Kalkül: Je mehr andere aufgeben, desto sichtbarer wird, wer bleibt. Wer den Raum nutzt, den andere räumen, besetzt mehr als ein Fach im Regal – er prägt Erzählung.

Wer an Print festhält, entscheidet über mehr als ein Medium

Die Branche diskutiert über sinkende Auflagen und digitale Konkurrenz, doch Oliver Wurm, Verleger und Sportjournalist, setzt auf das, was bleibt: Magazine, die nicht veralten, sondern Erinnerungen konservieren. Zwischen WM-Triumph und Maradona-Legende entsteht Print, das Gedächtnis schafft – Woche für Woche verkauft, auch Jahre nach dem Ereignis. Für ihn ist Print kein Auslaufmodell, sondern ein Geschäft mit langer Halbwertszeit. Das Prinzip: Produkte, die nicht nach Quartalszahlen funktionieren, sondern als „Sport-Denkmäler“ immer wieder neue Käufer finden.

Was hier auffällt: Während die meisten auf die Geschwindigkeit digitaler Kanäle setzen, entwickelt Wurm einen langen Atem. Er kalkuliert mit Zeit – manchmal dauert es ein Jahrzehnt, bis ein Titel in die schwarzen Zahlen läuft. Diese Ausdauer ist kein Luxus, sondern Strategie. Wer das durchhält, gewinnt Sichtbarkeit, weil Konkurrenten den Platz räumen, bevor die Rendite sichtbar wird.

Wirkung entsteht, wenn andere die Bühne verlassen

Der entscheidende Satz fällt fast beiläufig: „Je weniger die anderen an Print glauben, desto mehr Raum gibt’s am Kiosk für mich.“ Wer Kommunikation als Führungsinstrument versteht, erkennt hier ein bekanntes Muster: Sichtbarkeit gehört denen, die sie bespielen, wenn andere sich zurückziehen. Print wird nicht weniger wertvoll, weil weniger produziert wird – im Gegenteil. Der verbleibende Raum wird exklusiver, die Aufmerksamkeit gezielter, die Reputation stabiler.

Die Mechanik dahinter ist klar: Wert entsteht durch Verknappung. Wo andere aufgeben, wird das eigene Produkt sichtbarer – nicht trotz, sondern wegen des Abschieds der Masse. Wer den Mut hat, sich aus der Vergleichbarkeit herauszubewegen und Medienarbeit als strategischen Hebel begreift, setzt auf nachhaltige Reputation statt kurzfristiger Reichweite. Wer als Letzter das Licht löscht, steht am Ende im Scheinwerfer.

Langlebige Inhalte – Sichtbarkeit, die nicht verjährt

Das Geschäftsmodell von Wurm ist kein Zufallstreffer. Die Magazine müssen nicht sofort Geld verdienen, sondern laufen langfristig. Querfinanzierung durch Aufträge und Beratung hält die Gedächtnisprojekte am Leben, bis sie sich selbst tragen. Die Kultur der schnellen Erfolge, die in vielen Unternehmen als Maßstab gilt, blendet aus, wie viel Wert Substanz und Geduld in der Unternehmenskommunikation haben können. Wer den Atem hat, Themen langlebig zu setzen, bleibt sichtbar, wenn Wellen kurzlebiger Aufmerksamkeit längst verebbt sind.

Für den Mittelstand zeigt sich hier ein seltener Fall von Thought Leadership: Wer den eigenen Kurs hält und auf Qualität statt Hype setzt, gewinnt nicht nur Kunden, sondern auch Deutungshoheit. Earned Media ist in diesem Kontext keine Alternative zu Werbung – sie ist Vertrauenswährung. Wenn andere auf KI-basierte Schnellschüsse setzen, profitieren diejenigen, die Echtheit liefern. Sichtbarkeit entsteht nicht aus Lautstärke, sondern aus Kontinuität.

Wer die Erzählung setzt, bleibt im Spiel

Die nächste Fußball-WM ist für Wurm keine Wette, sondern ein weiterer Meilenstein: Er plant schon jetzt das nächste Print-Denkmal – unabhängig davon, wie laut der Rest vom Ende des Mediums spricht. In solchen Momenten zeigt sich kommunikative Führungskompetenz: Wer antizyklisch handelt, bleibt Gesprächspartner, auch wenn der Applaus verebbt. Was bleibt, ist mehr als ein Titel am Kiosk – es ist das Recht, die Geschichte zu erzählen, die andere schon aufgegeben haben.

Quelle: Kress

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Angela Recino

Inhaberin Bewegte Kommunikation