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Was die Zahlen der Studie beschreiben
Eine Studie der Initiative Klima vor acht hat gemessen, wie viel Sendezeit ARD und ZDF dem Thema Klimawandel im ersten Halbjahr 2025 gewidmet haben. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Anteil der Sendeminuten zum Thema ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Messung vor fünf Jahren gesunken. Im Ersten lag er bei 0,95 Prozent, im ZDF bei 0,82 Prozent. Zum Vergleich: 2023 lagen die Werte noch bei 2,2 beziehungsweise 1,95 Prozent. Bemerkenswert ist dabei auch, dass selbst die Rekord-Hitzewellen im Mai und Juni nicht zu einem Anstieg der Berichterstattung geführt haben. Ausschläge nach oben entstanden laut Studie eher durch politische Ereignisse wie den Streit ums Heizungsgesetz.
Der Nachrichtenwert wird durch politische Ereignisse gesetzt, nicht durch das Thema selbst
Genau hier liegt das kommunikationsstrategisch aufschlussreiche Muster: Nicht das Phänomen selbst, sondern das politische Ereignis drumherum bestimmt den Nachrichtenwert. Klimawandel als anhaltende, wissenschaftlich gut belegte Realität schafft es offenbar kaum noch von allein in die Sendeplanung, sondern braucht einen politischen Aufhänger, eine Kontroverse, einen Streit. Das ist kein zufälliges Redaktionsversagen, sondern eine strukturelle Logik im Journalismus: Ereignisse, die eskalieren, haben Neuigkeitswert. Prozesse, die sich schleichend entfalten, passen schlecht ins Nachrichtenformat. Der Klimawandel gehört zum zweiten Typ, weshalb die Reduktion der Berichterstattung trotz zunehmender physischer Ereignisse wie Extremhitze keine journalistische Überraschung ist, sondern einer bekannten Mechanik folgt.
Für Kommunikationsverantwortliche und Organisationen, die zu Klimathemen kommunizieren, ergibt sich daraus eine ernüchternde Konsequenz: Medienarbeit zu einem Dauerphänomen ist strukturell schwieriger als Medienarbeit zu einem Ereignis. Wer Redaktionen mit Klimathemen erreichen will, muss den Stoff entweder an politische Prozesse andocken oder eigene Ereignisse schaffen, die nachrichtenwürdig sind. Reine Sachkommunikation, die darauf vertraut, dass die Relevanz des Themas für sich spricht, greift zu kurz.
Was der Rückgang über redaktionelle Agenda-Setzung verrät
Der Befund der Studie ist auch aus einer anderen Perspektive relevant, die über Klimajournalismus hinausgeht: Er zeigt, wie schnell ein Thema aus dem redaktionellen Fokus rutscht, selbst wenn seine gesellschaftliche Bedeutung unverändert hoch ist. ARD und ZDF stehen als öffentlich-rechtliche Sender unter einem besonderen Auftrag, gesellschaftlich relevante Themen dauerhaft abzubilden, nicht nur dann, wenn sie politisch gerade heiß sind. Wenn der Anteil der Berichterstattung innerhalb von zwei Jahren auf weniger als die Hälfte sinkt, während das physische Ausmaß des Phänomens zunimmt, deutet das auf eine redaktionelle Prioritätenverschiebung hin, die sich nicht allein mit Nachrichtenwert erklären lässt.
Für das Reputationsmanagement von Organisationen und Institutionen, die in der Klimadebatte als glaubwürdige Stimmen wahrgenommen werden wollen, ist das ein ernstes Signal. Thought Leadership entsteht nicht dadurch, dass man darauf wartet, von Medien abgebildet zu werden. Wer Sichtbarkeit zu einem komplexen Dauerthema aufbauen will, muss eigene Kanäle und Formate ernst nehmen, eigene Inhalte mit echter Substanz produzieren und dabei einen langen Atem mitbringen. Die Abhängigkeit von klassischer Medienresonanz als alleinigem Relevanzindikator ist bei solchen Themen riskant.
Öffentlich-rechtliche Medienarbeit als Spiegel gesellschaftlicher Aufmerksamkeit
Die Studie von Klima vor acht liefert damit nicht nur eine medienkritische Bestandsaufnahme, sondern auch ein anschauliches Lehrstück zur Funktionslogik strategischer Unternehmenskommunikation. Wer verstehen will, wie Themen in öffentliche Aufmerksamkeit gelangen und wieder daraus verschwinden, findet hier ein gut dokumentiertes Beispiel. Die Klimaberichterstattung sinkt, obwohl Extremwetterereignisse zunehmen, weil der Medienbetrieb auf politische Impulse reagiert und nicht auf physische Realität. Diese Entkopplung ist kein Fehler des Systems, sondern seine ehrliche Beschreibung.
Für Kommunikationsverantwortliche folgt daraus eine praktische Aufgabe: Sie müssen die Nachrichtenlogik ihrer Bezugsmedien kennen, also wissen, welche Aufhänger dort funktionieren, welche Ereignisse die Berichterstattung auslösen und welche Zeitfenster sich öffnen. Nur wer die redaktionelle Mechanik versteht, kann Medienarbeit so steuern, dass sie auch bei schwierigen Dauerthemen Wirkung entfaltet. Ohne dieses Verständnis bleibt Pressearbeit Zufall.
Quelle: turi2, mit Bezug auf eine Studie der Initiative Klima vor acht, veröffentlicht via medien.epd.de