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Gescheitertes Design, bleibendes Exponat

Foto: Quentin Martinez / Pexels

Ein Telefon, das umkippte – und trotzdem ins Museum kam

Das Frankfurter Museum für Kommunikation zeigt in seiner aktuellen Pop-up-Ausstellung „Design-Ikonen der Mediengeschichte“ Objekte, die man auf den ersten Blick kaum unterscheiden kann: auf der einen Seite Geräte, die die Kommunikation ganzer Generationen geprägt haben, auf der anderen Seite elegante Konzepte, die am Markt schlicht gescheitert sind. Der „hockende Hund“ von 1929, ein Siemens-&-Halske-Telefon aus schwarzem Bakelit, gehört zur zweiten Gruppe. Seine Silhouette erinnert tatsächlich an einen sitzenden Hund, sein Design war für die damalige Zeit ausgesprochen futuristisch – und sein Grundproblem war so banal wie fatal: Die große Hörmuschel machte das Gerät kopflastig, es kippte beim Gebrauch immer wieder um. Es ging nie in Serienproduktion. Heute ist eines der wenigen erhaltenen Exemplare ein Ausstellungsstück.

Die Ausstellung, die Kuratorin Melinda Aldemir gemeinsam mit Projektleiterin Corinna Engel gestaltet hat, fragt nach der Wechselwirkung zwischen Design und Kommunikation: Wie wurden technische Geräte zu Massenmedien, und welche Rolle spielte dabei die Gestaltung? Die Antwort, die sich durch die Exponate zieht, ist unbequemer als sie klingt: Schönes Design allein reicht nicht. Es muss funktionieren, und zwar im Alltag der Menschen, die es benutzen sollen.

Ästhetik als Falle: Warum interne Begeisterung trügt

Das Siemens Xelebri aus dem Jahr 2003 schaffte es immerhin in die Serienproduktion – ein Mobiltelefon, dessen optische Mischung aus Kosmetikartikel und Tamagotchi-Ei laut Aldemir für „reichlich Spott“ sorgte und das wegen seiner schwierigen Bedienbarkeit schnell wieder vom Markt verschwand. Hier liegt ein Muster, das weit über Produktentwicklung hinausgeht: Der typische Fehler besteht darin, die Ästhetik eines Konzepts früh zu feiern, bevor die Alltagstauglichkeit ernsthaft geprüft wurde. Wer intern – oder auch extern – vor allem Applaus für das Aussehen erntet, ohne dass irgendjemand kommentiert, wie das Gerät sich anfühlt, bedient und trägt, hat ein Signal verpasst: Die Nutzerperspektive ist noch nicht wirklich einbezogen.

Dieser Mechanismus baut intern Druck auf, der kritische Revision erschwert. Hat ein Designkonzept erst einmal Begeisterung ausgelöst, sind die Hürden für Einwände höher. Beim „hockenden Hund“ hätte die physische Standfestigkeit des Prototyps vor der Freigabe des Designs geprüft werden müssen, nicht danach. Die Entscheidung fiel in der Entwicklungsphase – und wurde dort nicht getroffen. Das kostet entweder, wie in diesem Fall, die Serienreife oder, wie beim Xelebri, Marktanteile und Reputation.

Was Kommunikationsverantwortliche daraus ableiten können

Die Parallele zur strategischen Unternehmenskommunikation ist direkter, als sie auf den ersten Blick erscheint. Wer Kampagnen, Kommunikationsformate oder das öffentliche Auftreten von Führungskräften entwickelt, kennt denselben Mechanismus: Ein Konzept sieht gut aus, es ist durchdacht, die Präsentation überzeugt intern – und trotzdem funktioniert es in der konkreten Anwendung nicht so, wie erwartet. Die Botschaft kommt nicht an, der Ton trifft die Zielgruppe nicht, das Format erzeugt Reibung statt Resonanz.

Wahrnehmung und Nutzbarkeit sind in der Kommunikation keine nachgelagerten Korrektivs, die man nach dem Launch noch anpassen kann, sondern gleichrangige Kriterien, die von Anfang an mitgedacht werden müssen. Das gilt für ein Telefon aus Bakelit genauso wie für eine Pressemitteilung, eine LinkedIn-Strategie oder das Executive Positioning einer Führungskraft. Wie wirkt das Gesagte auf denjenigen, der es empfängt – und unter welchen Bedingungen empfängt er es? Diese Frage muss gestellt werden, bevor das Konzept als fertig gilt, nicht danach.

Ein zuverlässiger Frühindikator dafür, dass diese Prüfung noch aussteht, ist internes Feedback, das ausschließlich die Optik oder das Konzept lobt, ohne dass irgendjemand die praktische Handhabung kommentiert. Wer nur hört, wie elegant die Idee ist, aber niemanden findet, der beschreibt, wie er damit umgehen soll, hat noch keine echte Nutzerperspektive eingeholt.

Wo Form und Funktion tatsächlich zusammenkamen

Die Ausstellung zeigt aber auch, was gelingt, wenn beides zusammenarbeitet. Das „Modell Frankfurt“ von 1929, ein schwarzes Telefon im Bauhausstil, das Harry Fuld bei einem Gestaltungswettbewerb als Gewinner vorstellte, ist dafür ein Beispiel. Das Nokia-Mobiltelefon von 1999, robust und eingängig zu bedienen, ein anderes. Und das erste iPhone, das Steve Jobs gemeinsam mit dem damaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden René Obermann am 19. September 2007 in Berlin vorstellte, markiert nach Einschätzung der Ausstellungsmacher den Punkt, an dem ein Gerät die Kommunikation der Menschen so grundlegend veränderte, dass es die Kategorie selbst neu definierte. Purismus im Design und Universalität in der Funktion – beides war dort von Anfang an aufeinander abgestimmt.

Das ist der Maßstab, an dem sich auch Thought Leadership und strategische Kommunikation messen lassen sollten: ob Form und Inhalt gemeinsam tragen, was sie versprechen. Ein Kommunikationsformat, das ästhetisch überzeugt, aber in der Praxis niemanden erreicht, landet im besten Fall im Museum – und im schlechtesten Fall schlicht in der Versenkung. Die Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation läuft noch bis Ende des Jahres und ist laut FAZ in die Dauerausstellung „Mediengeschichte neu erzählt“ eingebettet.

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Bild von Angela Recino
Angela Recino

Journalistin und PR-Strategin
Geschäftsführerin Bewegte Kommunikation