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Drei Stellenanzeigen, die zeigen, wo der Markt für Kommunikationsprofis gerade steht

Foto: Leeloo The First / Pexels

Was aktuelle Ausschreibungen über den Kommunikationsmarkt verraten

Stellenanzeigen sind, wenn man sie ernst nimmt, ein verlässlicher Seismograf für das, was Unternehmen und Medienhäuser gerade wirklich beschäftigt. Die aktuelle Jobbörse von turi2 listet drei Positionen aus Journalismus, Marketing und Unternehmenskommunikation, die auf den ersten Blick unverbunden wirken – aber bei genauerem Hinsehen ein konsistentes Bild zeichnen: Der Markt sucht Führungspersönlichkeiten mit inhaltlicher Tiefe, nicht bloß Koordinatoren mit Budgetverantwortung.

Lokaljournalismus unter Druck, Führung gesucht

Der Berliner Verlag sucht eine Ressortleitung Berlin mit dem Zusatz „Lokales neu denken“. Dieser Hinweis ist alles andere als eine Marketing-Phrase für die Stellenanzeige: Er beschreibt eine echte strategische Aufgabe. Lokaljournalismus steckt seit Jahren in einer strukturellen Krise, die durch sinkende Auflagen, veränderte Lesegewohnheiten und den Bedeutungsgewinn von Social Media als Nachrichtenkanal geprägt wird. Wer diese Ressortleitung übernimmt, braucht nicht primär jemanden, der bestehende Abläufe verwaltet, sondern jemanden, der ein klares publizistisches Konzept entwickeln und durchsetzen kann – mit Haltung, mit Kenntnis der Berliner Stadtgesellschaft und mit der Bereitschaft, Routinen infrage zu stellen. Aus Kommunikationssicht ist bemerkenswert, dass die Ausschreibung den Neudenk-Anspruch explizit in den Titel schreibt: Das ist eine implizite Aussage über den Zustand des Bestehenden und über den Gestaltungsraum, den die Stelle tatsächlich bietet.

IT-Kommunikation als strategisches Führungsfeld

ATLAS Vertriebsservice sucht in Frankfurt eine Person für „People Lead IT-Kommunikation & Contententwicklung“. Diese Kombination ist aufschlussreich, weil sie zwei Bereiche zusammenführt, die in vielen Unternehmen noch immer getrennt laufen: die interne Kommunikation rund um IT-Veränderungsprozesse einerseits und die inhaltliche Entwicklung von Content andererseits. Gerade in Unternehmen mit komplexen IT-Strukturen entscheidet Kommunikation darüber, ob Transformationsprojekte intern akzeptiert werden oder auf stille Ablehnung stoßen. Der Titel „People Lead“ deutet darauf hin, dass hier nicht nur Projekt- sondern Personalverantwortung erwartet wird – also echte Führungsaufgabe, kein Stabsprojekt. Für Kommunikationsprofis mit Interesse an interner Kommunikation und Change-Begleitung ist das eine Stelle, die Substanz hat, auch wenn der Arbeitgeber außerhalb der klassischen Kommunikationsbranche verortet ist.

Social und Creative zusammenzudenken ist kein Selbstläufer

Mawave Marketing in München sucht einen „Head Creative & Social“. Dass diese Rolle in einer auf Performance-Marketing spezialisierten Agentur angesiedelt ist, macht die inhaltliche Spannung dieser Position deutlich: Kreativität soll hier nicht um ihrer selbst willen existieren, sondern messbar wirken. Das ist eine anspruchsvolle Kombination, weil sie zwei unterschiedliche Denklogiken zusammenbringen muss – die gestalterische und die analytische. Führungskräfte, die beide Sprachen sprechen, sind auf dem Markt rar, und Agenturen, die diese Stelle besetzen wollen, konkurrieren nicht nur mit anderen Agenturen, sondern auch mit Inhouse-Teams größerer Unternehmen, die ähnliche Profile suchen. Aus Sicht strategischer Unternehmenskommunikation ist diese Rolle außerdem ein Hinweis darauf, dass die Trennung zwischen Brand-Kommunikation und Performance-orientierten Formaten zunehmend aufweicht – und dass Führungsverantwortung im Kreativbereich heute ein breiteres Kompetenzprofil verlangt als noch vor wenigen Jahren.

Was Führungskräfte aus diesen Signalen ableiten können

Alle drei Ausschreibungen haben eine Gemeinsamkeit: Sie beschreiben Rollen, in denen inhaltliche Verantwortung und Führungsverantwortung zusammenfallen. Das ist kein Zufall des Zufalls, sondern ein Muster, das sich durch den gesamten Kommunikationsmarkt zieht. Unternehmen und Medienhäuser suchen keine reinen Manager, die Prozesse steuern, sondern Personen, die eine eigene fachliche Position mitbringen und diese nach innen wie außen vertreten können. Für Kommunikationsverantwortliche, die ihre eigene Executive Positioning weiterentwickeln wollen, ist das ein direkter Hinweis: Sichtbarkeit und fachliche Haltung sind keine Optionen, sondern zunehmend Einstellungsvoraussetzungen – auch wenn sie selten explizit so benannt werden. Thought Leadership beginnt nicht erst auf der Bühne eines Branchenevents, sondern in dem Moment, in dem jemand in einem Bewerbungsprozess eine klare Antwort auf die Frage geben kann, wie er oder sie ein Thema inhaltlich verantwortet.

Die Stellenangebote stammen aus der täglichen Jobbörse von turi2.

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Bild von Angela Recino
Angela Recino

Journalistin und PR-Strategin
Geschäftsführerin Bewegte Kommunikation